Ratlos war ich in den letzten Tagen, wie umzugehen damit, dass Begriffe und Werte nichts Absolutes in sich tragen, Ausdruck des Moments sind. Begibt man sich in die Auseinandersetzung z.B. mit der Wahrheit, entsteht aus der erhofften Sicherheit zuerst Unsicherheit. Das wurde mir schon prophezeit, geglaubt hatte ich es nicht wirklich, denn das gilt ja meist nur für andere. Selbst fühlt man sich vor diesen Unwägbarkeiten sicher.
„Hast du von dem Kuchen genascht? Sag die Wahrheit!“, so meine bis heute kindliche Einstellung der Wahrheit gegenüber, deren Antwort ist: Ja/Nein, I/O, wahr/falsch.
Bei jeder Maschine löst diese digitale Wahrheit einen klar definierten nächsten Schritt aus. Bei Menschen löst das Gefühle aus. Bei mir, als Junge, der gesteht, dass er von dem Kuchen genascht hat, kann diese Wahrheit ein schlechtes Gewissen auslösen, aber auch ein Aufatmen. Bei dem Fragesteller kann es ein „Ach, ist doch ein guter Junge“ auslösen, wie auch eine heimliche Freude, dass mütterlichen Backkünsten nichts widerstehen kann.

So dachte ich, das gibt alles keinen Sinn, je weiter ich bohre, je weiter entferne ich mich. Doch in dem Erkennen, das es keine Wahrheit gibt, die digital ist, je nachvollziehbarer und interessanter erscheint mir die vermeitliche Unwahrheit des Anderen, seiner Wahrheit.
So wird aus dem oft ungeliebten Zweifel erst der stärkende Wegbereiter.
Bild: Daniel
„Um Rekursion zu verstehen, muss man zunächst einmal rekursion verstehen!“
Ich weiss nicht mehr woher ich den habe, aber er passt hier und gefällt dir ganz sicher
LG von Hier
Ja, Michael, gefällt mir. Mal gespannt, ob ich noch was draus machen kann, wenn ich der Sache ein bisschen näher komme.
Herzlichen Gruß, Menachem
Elegant – elegant Ihr Guten oder Lieben oder —
““Hast du von dem Kuchen genascht? Sag die Wahrheit!”, so meine bis heute kindliche Einstellung der Wahrheit gegenüber…“", die Antwort ist: Ja o. Nein, sie kann wahr sein oder auch nicht. Ist sie nicht wahr, ist sie eine Lüge. Eine Lüge ist nicht wahr, auch wenn sie als solche eine Wahrheit ist. Ich denke, da ist es völlig egal, ob sie analog oder digital daherkommt. Was dann beim Erwartungsempfänger ankommt oder was bei dem die Erwartung und des sich sich selbst belügendem
Lügenden nachfolgt ist schier einfacher oder auch komplizierter als es mit der Erklärung digital oder analog erklärter Prozessigkeit zu beschreiben ist.
Wenn ich vom Kuchen genascht habe, habe ich vom Kuchen genascht. Das ist Wahrheit. Ob ich vom Kuchen genascht habe, weil ich der Unwiederstehlichkeit des Mutterduftes nicht widerstehen konnte, oder der Verführung des Aromas,
oder meinem – wie immer gearteten – Hungers gefolgt bin, ist um der Wahrheit Willen völlig egal. „Ich habe genascht“ – das ist die Wahrheit. Und die ist. Absolut!!!
Das Problem, wie Mutti, oder ich, oder mein Mutti – Ich oder meine Ich – Mutti, der Vati gar oder die Religion mit meinem Naschunternehmen klarkommen, ändert nichts an der Wahrheit, daß ich genascht habe. Vom Kuchen.
Soviel, daß ich ihn am End’ gar ganz aufgefressen habe.
Wie die Wahrheit, die ich nun aus meinen Ausscheidungen herauszuklauben trachte.
Entschuldige mein Freund – unser Tag heute war mehr als digital oder analog und ich danke Dir für deine freundschaftliche Geduld. Dein Freund petersdom/ Peter.
oder dem Aussagenden I/O, wahr/falsch.
Sorry, erstmal, lieber P., der Kommentar ist im „Freischalten-Modus“ aufgehalten worden.
Es war wieder ein toller Tag, oder erinnere ich mich nicht, war es schon mal anders? Ich danke dir, dass du meinen Zorn und Neid der Philosophen eingedämmt hast, dass du mir wieder viel deines Wissens geschenkt hast, dass wir unseren Wahrheiten für kurze Lichtblicke näher kommen durften, und auch, dass du den Kaffee bezahlt hast
Nächstes mal bin ich aber wieder dran. Keine Wiederrede!!!
Ich grüße dich lieb,
Menachem
Mir ist nicht klar, was du mit diesem Artikel sagen willst! Dein Beispiel ergibt doch durchaus eine „digitale Wahrheit“: entweder er hat vom Kuchen genascht oder nicht.
Dass die Antwort auch GEFÜHLE auslöst, hat doch mit der Wahrheitsfrage gar nichts zu tun.
Ab „So dachte ich, das gibt alles keinen Sinn….“ kann ich dir echt nicht folgen. WAS ergibt keinen Sinn? WELCHEN Sinn erwartest du denn außer der Antwort auf die Frage wahr/unwahr? Und WO gerätst du ins Zweifeln? Weil Menschen beim Antworten auf Fragen Gefühle haben??
Verwirrte Grüße
Claudia
Mir fiel einerseits auf, Claudia, das ein schlichtes „Ja“ sowohl beim Frager als auch bem Antworter ganz unterschiedliche Gefühle und Konsequenzen auslösen kann. Trotz schlichter einfacher Rethorik, oder gerade deshalb, bleibt vieles verborgen, nicht weiter ausgesprochen. Das habe ich für mich nur mal so feststellen können.
Das das niederschreibenswert war, liegt daran, das ich von vielen dieser Begriffe, wie Wahrheit, Liebe, Krieg, Gut, Glaube nur sehr einfache Modelle in mir trage.
Wenn ich beginne, mich damit auseinanderzusetzen, wie verhält sich mein Bild von Wahrheit zu dem Anderer, dann kann ich am Anfang mein Bild mit dem schon allem darüber in dieser Welt Geschriebenen und Gedachten als erstes erweitern. Doch je weiter ich vordringe, je größer werden die Glaubens- und Gegensätze und am Schluß weiss ich garnicht mehr, was für mich richtig oder falsch sein könnte.
Das ergibt keinen Sinn für mich, diesen Dingen bis ins unendliche nachspüren zu wollen.
Denn selbst ein einfaches „Ja“ als Wahrheit ist relativ, wenn wir noch nicht mal wissen, was wirklich erfragt wird, wie z.B: Liebst du mich?