Groß geworden bin ich in einer Welt, in der Bescheidenheit, Hilfsbereitschaft, Unterordnung, Rücksicht … als oberste Werte vermittelt wurden. Das ist einerseits in Ordnung.
Anderseits wurde in dieser Welt das Streben nach Macht, Narzissmus, Anerkennung, Bedürftigkeit, Egoismus… abgelehnt.
Im bloggen, zuerst auf Wunsch-und-Wille, habe ich versucht, diese zweit benannten Lebenszüge zu betrachten, um ihnen einen angemessenen Platz in meinem Leben zu geben. Ich meine immer gespürt zu haben, dass sie elementar zu mir gehören und ich durch reine Negation nicht der sein kann, der ich bin.
Heute bin ich so weit, sagen zu können
- ja, es verlangt mich nach Macht
- ja, ich brauche Anerkennung
- ja, ich schaue auch immer noch manchmal gerne in den Spiegel
- ja, ich bin als erstes ein Egoist….
Und ich werde nicht meditieren, um diese “charakterlosen und teuflischen” Grundeigenschaften aus meinem Ich zu eliminieren.
Sowohl das erste als auch das zweite gehört für mich in der Anerkennung zur Selbstliebe – zur Nächstenliebe. Nicht in der Negation liegt die Lösung, sondern in der Integration und der Umgang mit all diesen Werten und Eigenschaften – nie dabei vergessend, das ich die Gemeinschaft brauche und die Gemeinschaft mich.
..diese Erkenntnis finde ich sehr gut und ich teile die Auffassung auch. Es bringt nichts, wenn man das Böse in sich verteufelt und unglücklich damit wird. Ein gesundes Maß an Eigenliebe braucht man, um zu überleben, um sich abzugrenzen- aber auch, um sich selbst zu finden.
Letztendlich ist die Liebe, die wir für uns selbst haben, auch die, die wir anderen geben können.
Und nach Macht und Anerkennung strebt irgendwie auch jeder. Es kommt nur darauf an, wie man es erreicht, ob man alle Spielregeln einhält oder sich ungerecht und betrügerisch verhält.
mfg, Julia
Ich denke, es ist ein Missverständnis, zu meinen, man solle mittels Meditation u.a. Technikan “das Böse” in sich ausrotten. Es siedelt auf derselben Ebene wie die Rede von Himmel und Hölle, verstanden als letzte Orte der Belohnung und Bestrafung. Beides sind “einfache Sichtweisen”, gedacht für Menschen, die man (mit mehr oder weniger Berechtigung) nicht für willens und kompetent hält, komplexere Darstellungen zu verstehen.
Von unschätzbarem Wert ist auf jeden Fall, die egozentrischen Aspekte in sich selbst zu erkennen, sie nicht zu leugnen, sondern ihrer stets gewahr zu sein. Der wesentliche Grund, sie kritisch zu betrachten, ist nämlich nicht eine allgemeine Moral, sondern die Tatsache, dass diese Einstellungen oft genug komplett den Blick auf die Wirklichkeit verstellen oder zumindest verzerren. Ebenso mindern sie die Wirkungsmächtigkeit der eigenen Handlungen – was man auch am Beispiel Bloggen erleben kann.
Was macht man z.B. mit einer wirklich GUTE IDEE, der man wünscht, sie möge von “relevanten Kräften” aufgenommen und verbreitet werdenn? Na klar, denkt man sich, das blogge ich, twittere es rum und wer es gut findet, wird schon entsprechend agieren (Egozentrischer Hintergrund: die eigene “Marke” stärken).
Mit hoher Wahrscheinlichkeit bemerkt dieses Blogposting dann nur die eigene Leserschaft, andere gucken vielleicht mal drauf und denken “nicht schlecht!”. Der Schritt zum ÜBERNEHMEN ist allerdings schon deutlich erschwert, denn man müsste ja immer zitieren und weiter “die Marke des Publishers stärken. Da muss es schon was ganz Wildes sein, damit das auch passiert!
Anders, wenn man darauf verzichtet, die Idee als EIGENE zu promoten. Sie statt dessen in den Foren der möglichen Akteure ohne Verweise auf die eigene Werklandschaft einbringt, oder auch ganz unöffentlich per E-Mail weiter gibt. SO fällt es anderen viel leichter, die Idee als EIGENE zu empfinden und weiter zu reichen. Der Wirkungsgrad ist höher als im Fall der egozentrischen Verwertung.
[...] Mal so zwischendurch… Besinnliches Posting über die egozentrischen Eigenschaften des Menschen und wie man mit ihnen umgehen soll. [...]
Lieber Menachem,
ich gratuliere Dir zu Deinem Schritt zur Selbstakzeptanz und Selbstliebe. Je mehr Du Dich gegen eine eigene Eigenschaft wehrst, je mehr gibst Du ihr Kraft. Wenn Du sie aber annimmst, wird sie sich vielleicht von allein wandeln. Denn Liebe und Akzeptanz ist das einzige, was heilen kann, in uns und in anderen.
Fühle Dich umarmt, so wie Du bist
Liebesblüte