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Wie es denn war. Damals. 1991

In einer Woche wird gewählt. Ein Land verändert sich. Hatte die CDU in Sachsen 1994 noch 58,1 %, landet sie jetzt bei ca. 29 %. Der Wandel ist die Konstante. Zeit zu erzählen, wie es denn war. Damals. 1991.

Frühstückszeit. Das üppige Buffet im Mövenpick am Naschmarkt lässt kaum einen Wunsch unerfüllt. Die Hütte ist rammelvoll. Die Luft brennt. Hier ist der point of no return. Die unterschiedlichsten Menschen,- sportlich gekleidet, die Hemdsärmel hochgekrempelt-, sitzen um die kleinen Rundtische. Schreiben, futtern, quatschen, rauchen, lachen. Andere kommen suchenden Blickes herein, bis die Gespanntheit in ihrem Gesicht mit einem freudigen „Ach, da sitzt er ja“ im Off verschwindet. 

Konkurrenz? Nein! Dieses Gefühl hatte ich zu dieser Zeit nie. Die einen kennen sich bestens im Altsystem der DDR aus, die anderen wissen was gebraucht wird, um sich „privat“ zu machen. Man braucht sich gegenseitig. Man lernt voneinander, sehr schnell. Manchmal viel zu schnell. Schon in 2-3 Jahren werden sich hier natürlich Barrieren aufgebaut haben, die ich, aus der Pfalz kommend, nicht mehr überwinden kann. Der sächsische Dialekt. Man bleibt lieber unter sich.

Aber jetzt,`91, ist die Euphorie noch groß. Es wird viel und hart gearbeitet. Und in gleichem Stil gefeiert. Champagner fließt und astronomische Mieten werden für abgewrackte Hütten bezahlt. Wenn sie über Telefon verfügen. Zwischen Ost und West wird viel hin- und hergefahren, geflogen. Die Bewirtungskosten erreichen ihren Scheitelpunkt. Höher waren sie nie, höher werden sie nie mehr sein.

Ein ehemaliger und langjähriger NVA-Angehöriger, er wird so um die 50 sein, fängt als LKW-Fahrer bei uns an. Seine alte Einheit wurde aufgelöst. Er ist sympathisch und kennt sich aus. Am W50. Deutlich überqualifiziert, bekommt er aufgrund seiner Biographie derzeit nirgends Arbeit. Er macht seine Sache gut. Arbeit kann ich ihm geben, mehr kann ich im Moment nicht für ihn tun.

Ein junger 19-jähriger Mann, in braver Kleidung, steckt seinen Kopf durch die Tür und fragt, ob wir die Firma xy sind. „Nein“, ist meine Antwort, „die sitzen 3 Türen weiter. Wir sind die Firma ADS-Parco. Aber jetzt kommen sie doch erst einmal herein, junger Mann. Wie heißen sie denn?“ Ab dem folgenden Tag wird der junge Mann ein Jahr lang in diesem von Zigarren- und Schweißgestank durchtränken Zimmer sitzen, sich mit Word und Excel beschäftigen, husten, zuhören, Fragen stellen, wachsen, – bis er 4 Jahre später geschäftsführenden Gesellschafter ist.

Diese Zeiten sind vorbei. Schön war`s. Damals. Ich war dabei.

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Geschreddert

„Wie weit bist du?“

„Im Moment geht`s nicht weiter. Hab` ich mich an Luther festgebissen. Hab übrigens jetzt ein interessantes Buch dazu gefunden.“

Und dann begann Peter zu erzählen. Was mich immer erstaunt hatte, war, dass er alles behalten konnte, was er da las. Und so hatte sich in seinem Kopf ein großes Wissen angesammelt, aus dem er vortrug. Eines Tages konnte ich nicht mehr anders und ernannte ihn  zu „meinem Privatdozenten für Geschichte und Kultur“.

Vorleseungsbeginn war immer halb elf. Einmal im Monat. Café Grundmann. Ende: offen

An seiner verwickelten und verschlungenen Biographie schrieb er über Jahre. Immer sicher verwahrt auf der Festplatte seines Computers. Erst das vollendete Werk wollte er übergeben. Seiner Familie, damit in Erinnerung bleibt, wie es denn war. Damals. In den 50er Jahren. Wie groß seine Freude war, wenn er Freitag nachmittags auf den Bus wartete, der ihn zu seinen Großeltern brachte. Raus aus dem Dorf der ärmlichen Familie nahe Halle/Saale, wo sein Vater, der Dorfschullehrer, mit harter Hand regierte. Wie es denn war, als er, ein bekennender Antifaschist, am ersten Tag seiner Volksarmeezeit morgens an der innerdeutschen Grenze stand. Mit 18. Mit einem Gewehr über der Schulter. Mit Schießbefehl. Wie es ist, wenn das halbe,- in sozialistischer Ideologie gelebte Leben-, ihm verweigert, im Neuen anzukommen.

Es ist bald ein Jahr her, dass sein Arbeitszimmer entrümpelt wurde. Sein alter Computer, der noch von Windows64 angetrieben wurde, fand dann auch seine letzte Ruhestätte. Im Schredder. Und so hat sich der „Mantel des Schweigens“ still und leise über seine Geschichten gelegt.

Langsam und leise, fast behutsam, legt er sich nun auch über meinen Vater. Entlässt ihn aus den Erinnerungen. Endlich. Und ich hätte noch so viele Fragen.

Und ich?

Bin dem fern und nah.  Und bis er meinen kalten Körper wärmt, erzähle ich hier.

Wie es denn war. Damals.

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…Einzelmerkmale zu einer Generalbehauptung vergewaltigt werden, um die Stimmung Ost gegen West aufzuheizen. Denn der Ost-Motor der AfD ist die unfähige Politik sowie der überhebliche Westen, der die gerechte Angleichung der Lebensverhältnisse immer noch ablehnt, verhindert, ja- sogar strikt verweigert. Und die Erzählung vom niedrigen Ost-Rentenniveau ist da ein gefundenes Fressen.

Vorneweg:

Es gibt definitiv Menschen in „Ost und in West“, die ihr Leben lang fleißig, gut und zuverlässig gearbeitet haben und deren Altersgeld für eine „soziale Marktwirtschaft“ beschämend ist. Darum geht es hier NICHT! Es gibt privilegierte Berufsgruppen in Alt-West, damit meine ich vornehmliche Beamte und Angestellte im öffentlichen Dienst, die ein durchaus respektables Altersalär erhalten. Auch um diesen Sonderstatus, den es so nur in der BRD gab, geht es hier NICHT.

Denn, das ist das Entscheidende:

Rente berechnet sich aus: 1.) Rentenpunkten und 2.) Entgelt pro Rentenpunkt

Und durch die unterschiedlichen Familien- und Sozialsystemen*1) konnten im Osten mehr Rentenpunkte  angesammelt werden, woraus sich aus dem Jahresbericht der deutschen Rentenversicherung 2018 folgende Durchschnittsrente ergibt:

Neue Bundesländer

Alte Bundesländer

Männer

1.198,00 €

1.095,00 €

Frauen

928,00 €

622,00 €

*2)

Woraus abzulesen ist: Die Durchschnittsrente ist im Osten ( besonders bei Frauen) höher als im Westen.

Doch, zählen derzeit noch Tatsachen und Argumente?

Ich meine: Sollen die Menschen im Osten doch der AfD Propaganda weiterhin auf den Leim gehen und sie wählen. Menschen müssen ihre Erfahrungen machen. Und Menschen der Erfahrungen zu berauben heißt auch, sie des Lebens zu berauben. Wenn sie dann von denen irgendwann die Schnauze voll haben, wo ist das Problem? Auf den Leipziger Ring brauchen sie dann nicht mehr. Einfach das „Kreuzchen“ dann an einer anderen Stelle machen und der Spuk hat ein Ende. So einfach kann Demokratie funktionieren!

Aber eins ist auch klar: Die Demokratie der Alt-BRD ist mein zu Hause und ich werde nicht tatenlos zusehen, sollte sie der Osten zerstören oder ersetzen wollen, was ich mir im übrigen schon allein aufgrund der Mehrheitsverhältnisse nicht vorstellen kann. Natürlich, nicht alle meine Wünsche kann die agierende Demokratie erfüllen und sie hat ihre Unzulänglichkeiten, Schwächen und Fehler, aber sie hatte nie Jugendhöfe, Umerziehungsanstalten, Bautzen, STASI…….. und TOTE. An Grenzen.

Das sind m.E. nach wertvolle Gründe, gerade in einer schwierigen europäischen Gegenwart, bedachter und umsichtiger Demokratie zu leben.

 

*1) In der ehem. DDR waren neben allen Arbeitnehmer auch alle Selbstständige pflichtversichert, im Gegensatz zur Alt-BRD, wo dort zum großen unversicherten Selbstständigenanteil auch noch der sozialversicherungsfreie Besserverdienende hinzukam, der heute u.a. nicht selten 1000,00 bis 1200,00 Eur allein für seine Krankenversicherung aufbringen muss. Es gibt darüber hinaus weiterhin viele Unterschiede zwischen „realen und verfügbaren“ Renten, in denen nicht selten die neuen Bundesländer punkten.

*2) Quelle: https://www.auswandern-handbuch.de/durchschnittsrente-deutschland/

 

 

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…..an unseren Humor zu erinnern. 10:15 köstlichster Minuten.

 

 

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der Künstler Ai Weiwei begründet erstmals, warum er Deutschland den Rücken kehren will. Im Interview erklärt er, was das mit einem stinkenden Berliner Taxi und der deutschen Kriecherei vor China zu tun hat.

 

WELT: Sie leben nun vier Jahre im Exil in Berlin, waren Gastprofessor an der Universität der Künste, betreiben ein riesiges Studio in Katakomben unter dem Prenzlauer Berg – haben aber angekündigt, Deutschland verlassen zu wollen. Warum?

Ai Weiwei: Deutschland ist keine offene Gesellschaft. Es ist eine Gesellschaft, die offen sein möchte, aber vor allem sich selbst beschützt. Die deutsche Kultur ist so stark, sodass sie nicht wirklich andere Ideen und Argumente akzeptiert. Es gibt kaum Raum für offene Debatten, kaum Respekt für abweichende Stimmen.

WELT: Ein Beispiel?

Ai Weiwei: Dreimal ist es mir passiert, dass ich in ein Taxi stieg und der Fahrer, als er mich sah, einfach nur gesagt hat: „Raus!“. Einmal roch es im Taxi stark nach Parfüm, und weil ich sehr empfindlich auf Gerüche reagiere, habe ich das Fenster etwas geöffnet. Der Fahrer forderte mich auf, es wieder zu schließen, ich machte ihn auf den Geruch aufmerksam, aber es endete mit: „Raus!“ Normalerweise gehe ich einem Streit nicht aus dem Weg, aber mein vierjähriger Sohn war dabei, deshalb sind wir einfach ausgestiegen. Ich habe den Vorfall der Polizei gemeldet.

 WELT: Haben Sie eine Antwort bekommen?

Ai Weiwei: Ja, heute, einen Brief von einer Antidiskriminierungsstelle. Sie habe nachgeforscht und könne keine Diskriminierung feststellen. Das Taxiunternehmen habe den Vorgang mit „kulturellen Unterschieden“ begründet. Das klingt mir ungefähr so, als wenn die chinesische Regierung ihre Verstöße gegen die Menschenrechte mit „kulturellen Unterschieden“ zum Westen begründet. Meine Familie und ich haben sehr gern hier gelebt, aber ich verlasse trotzdem Berlin. Dieses Land braucht mich nicht, weil es so selbstzentriert ist……………..*

 

*Aus der Welt-Online, Kultur, 08.08.2019, hier das ganze Interview, möglicherweise nur durch ein ABO-Login lesbar: https://www.welt.de/kultur/kino/plus198185345/Ai-Weiwei-Warum-ich-Berlin-und-Deutschland-verlasse-Eine-Abrechnung.html

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Gewagte Thesen?

1.       Ich frage mich, stände ich noch im Berufsleben und müsste morgens um 6 Uhr aufstehen und abends um 22 Uhr noch die letzten Angebote per mail rausschicken: Würde ich mich dann auch so intensiv, wie jetzt als Rentner, mit dem Auseinanderdriften der Gesellschaft beschäftigen (können)?

 2.       Wieviel Prozent der AfD-Wähler und Sympathisanten bestreiten ihren Lebensunterhalt aus eigener Kraft und sind nicht Leistungs-Empfänger der Solidargemeinschaft? Mit der Antwort darauf könnte ich evtl. ein von mir gepflegtes Vorurteil ablegen, nämlich, dass man von 24 Stunden am Tag nicht 16 Stunden lang Deutschlandfähnchen-Nachrichten auf dem Computer anschauen kann, wenn man arbeiten geht. Zur Erinnerung: das Deutschlandfähnchen machte Höcke in der Jauch-Sendung im Oktober 2015 zum Gruppenzugehörigkeitsmerkmal der Nationalen.

 3.       Die AfD benutzt die alte Strategie der NS-Propaganda, die schon seinerzeit auf einem sehr hohen Niveau der unterschwelligen Beeinflussung konzipiert war. Die AfD verfeinert, verbessert dieses Konzept ständig und passt es an die enorme Wirkungskraft der neuen Medien ständig weiter an. Ganz beliebtes Muster: Tatsachen werden zweckdienlichen Behauptungen zugeordnet. Klassische Vorläufer dazu ist der Reichtagsbrand 1933. Einer der aktuellen neuen Verkünder in dieser Strategie ist „Carsten Jahn“. Einer, von ach so vielen auf You-Tube, der mit den Nationalfarben im Vorspann seine Anhänger einstimmt.

 4.       Wie dem begegnen? Noch gehe ich da sehr dilettantisch vor. Als erstes habe ich begonnen, zuzuhören, also wirklich und richtig „zuzuhören“. Dabei spüre ich, wie ich in der Konzentration auf den Gegenüber selbst aus meinem Emotionen heraustreten kann und den Boden eines sachlichen Gespräches betrete. Ich bin erstaunt, wie gut und das es funktionieren kann.

Als zweites habe ich die stilistischen Mittel des Carsten Jahn angewandt. Ich habe einfach mal behauptet, der wird von den Russen bezahlt und das an zwei Beispielen zu erklären versucht. Wie erwartet, wurde ich ausgelacht. Und doch! Ich habe es gespürt: den Stachel, den ich dabei gesetzt habe, sitzt. Tief!

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Deutschlandfähnchen

Ja. Ich habe es getan.

Alle Beiträge, die heute durch irgendwelches „Teilen“ auf Facebook bei mir erschienen sind – und die mich mit einem Deutschlandfähnchen lockten -, habe ich kommentiert. Der bullshit in diesen Postings ist nicht weniger haarsträubend als in den Beiträgen, die lediglich mit in den Nationalfarben angeordneten Balken eine „Seriosität“ vorzugaukeln versuchen.

Eine Frau schrieb: „Ich habe schon vor langer Zeit gesagt, dass wir eines Tages Schutz vor den Schutzsuchenden brauchen werden!“

Ich habe ihr geantwortet, dass ich das irgendwie nicht verstehe. Wieso müssen wir uns vor den 143 toten Frauen schützen. Die sind tod. Deren Schutzsuche kam zu spät, als 2017 ihr Leben in häuslicher Gewalt erschlagen wurde. Und die anderen 133.000 Frauen, die im gleichen Jahr Schutz vor häuslicher Gewalt suchten? Warum müssen wir uns vor diesen schützen? Welche Gefahr geht von ihnen aus?

Angesichts dieser Zahlen fordere ich ( in Fortschreibung der Deutschlandfähnchenforderungen und in Anbetracht der Tat im Frankfurter Hbf), dass ab sofort:

– in allen bundesdeutschen Familien eine Rund-Um-Video-Überwachung eingeführt wird und die Polizeipräsenz deutlich in den Haushalten erhöht wird.

– darüber hinaus fordere ich das gleiche für alle religiösen, sportlichen und musischen Einrichtungen, in denen schutzbefohlene Kinder missbraucht werden, deren arme Kinderseelen ein Leben lang unter dieser Last großes Leid tragen müssen, …….

 

P.S.: Ich habe nicht weiter recherchiert, wie hoch bei diesen Schandtaten der Migrantenanteil ist. 

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