mein Vater (28.04.1920 Lodz – 29.12.2019 Frankfurt am Main)
Sein jiddisch hat er nie abgelegt. Können oder wollen? Ich vermute, beides.
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Ein Herbsttag. Er wusste das ich heute komme. Er war weit in die 90. Sah und hörte mittlerweile sehr schlecht. Ohne anzuklopfen ging ich in sein Zimmer.
„Menachem, bis du es?“
„Ja, Papa“, drehte mich um, schloss die Tür und hielt für einen kurzen Moment inne. Niemand, außer Mutter, konnte meinen Namen so aussprechen.
„Kum`, setz dich a nieder. Wus gib`s neies?“
„Na, ja Papa, viel. Du hast es vielleicht schon gehört. Sie fordern jetzt alle eine Feuerpause:“
„Wer? Wer ist alle? Die Deitschen ochet?“
„Ja, Papa. Die Deutschen auch. Na ja, ob allerdings alle Deutschen,- hmm…., weiß ich nicht. Aber zumindest von der Vertreterin der Deutschen im Ausland, von der Annalena Baerbock, hört man das. Weißt du wer das ist? “
„Nu, die Schickse! Jetzt,- auf einmal? Jetzt? Jetzt fordern sie a Feierpaus? Habn se des damals och` ?“
„Nein, Papa. Aber jetzt ist es anders. So viele Unschuldige sterben.“
„Was,…… was solln jetzt unders sin? Warn wir dumals schuldisch? Es ist Krieg. Im Krieg starbe`n Menschen.“
„Aber Papa, sie wollen das doch, damit die Zivilisten noch rechtzeitig die Stadt verlassen können.“
„Soll´n se doch gein. De Zivilistn. WER haalt sem euf?“